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Die Schweiz braucht einen Neustart

Die Schweiz braucht einen Neustart
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Unsere Art des Zusammenlebens und Wirtschaftens ist weltweit und auch in unserem Land in eine Sackgasse geraten. Unsere so genannte Wirtschaft enthüllt sich immer mehr als ein blosses Instrument einer verschwindend kleinen globalen Oligarchie, die ihre Profite um jeden Preis aufrechterhalten will (15 Prozent der Weltbevölkerung besitzen 85 Prozent des Weltvermögens). Zu diesem Zweck werden wir mit gegenseitiger Konkurrenzierung, Arbeitsstress, Anonymisierung und Isolation daran gehindert, einen globalen Haushalt aufzubauen, der allen ein gerechtes und gutes Leben ermöglicht. Nicht nur funktioniert diese oligarchische Wirtschaftsweise nicht, sie zerstört auch die sozialen und ökologischen Grundlagen unseres Planeten.

Ein Ausweg aus der ökologischen und sozialen Sackgasse kann nicht mit ein paar technologischen Tricks gefunden werden. Es gibt in absehbarer Zukunft keine nachhaltigen Energiequellen, die das heutige Verbrauchsniveau aufrechterhalten können. Wir müssen also daran gehen, eine Lebensweise aufzubauen, die auf sozialen Beziehungen basiert, die es uns ermöglichen mit uns und dem Planeten wirklich haushälterisch umzugehen.

Wir sind uns bewusst, dass eine Umkehr in einem kleinen Land isoliert nicht möglich ist, sondern auf globale Veränderungen angewiesen ist. Diese sind überall in verschiedensten Formen im Gang. Mit einem Neustart in einem der reichsten Länder könnten wir aber einen wichtigen Beitrag leisten und ein begeisterndes Signal setzen.

Eine weltverträgliche Lebensweise muss auf einem Energieverbrauch von 1000 Watt und auf einem Einkommen, das mindestens einen Drittel unter unserem heutigen liegt, beruhen. Ökologie und soziale Gerechtigkeit können nur als Einheit funktionieren. Eine nachhaltige und friedliche Welt gibt es nur mit mehr Gleichheit. Es wird für einige wenige weniger geben, für die meisten viel mehr.

Der neue globale Haushalt beginnt in unseren Nachbarschaften, die so vernetzt und umgebaut werden müssen, dass eine gemeinschaftliche Nutzung von Gütern (Wohnen, Lebensmittel, Haushaltapparate usw.) ohne Verzicht auf eine hohe Lebensqualität möglich wird. Durch die Zusammenarbeit mit Bauernhöfen der Umgebung (Vertragslandwirtschaft) kann eine Nahrungsmittelversorgung gewährleistet werden, die auf direkten Kontakten und Mitarbeit beruht. Diese Stadt/Land-Verknüpfung wird sowohl das Leben auf dem Land wie in der Stadt bereichern. Auch sie ist global der einzige Weg in die Zukunft.

Unsere Stadtquartiere und Landregionen müssen so zu Basisgemeinden umgestaltet werden, dass sie alle alltäglichen Güter und Dienstleistungen in Fuss- oder Velodistanz anbieten können. Nur so lässt sich eine erzwungene Mobilität reduzieren, die viel Energie verschlingt und erst noch keinen Spass macht. Quartiere und Landstädte sollen vielfältige Zentren haben, die einen erweiterten Service Public zu erbringen vermögen. Lebenswichtige Industrien und Dienstleistungsbetriebe müssen aus der erstickenden Umarmung durch die profitorientierte Wirtschaft befreit und auf eine öffentliche und/oder genossenschaftliche Basis gestellt werden. Schon aus ökologischen Gründen müssen demokratische Planungsmechanismen eingerichtet werden, die im Dialog zwischen KonsumentInnen und ProduzentInnen funktionieren. Wir können uns die Verschwendungen der Marktmisswirtschaft ganz einfach nicht mehr leisten.

Für ein kleines Land wie die Schweiz genügen 600 Gemeinden und 7 Regionen als Verwaltungseinheiten. Mit diesen zwei Lebensbereichen, und einer minimalen Territorialverwaltung, können alle wichtigen Aufgaben wie Verkehr, Energie, Ausbildung, Gesundheit, Sicherheit, Sozialversicherungen, Steuer- und Finanzwesen usw. rationell und bürgernah wahrgenommen werden.

Durch die Senkung unserer Lebenskosten, mehr Selbstverwaltung an der Basis und einen aufs Nötigste beschränkten Staat können Mittel frei gemacht werden für eine erweiterte Entwicklungszusammenarbeit, die einen wirkungsvollen Beitrag zur Lösung der globalen Ungerechtigkeiten leistet. Was wir nicht mehr brauchen, kann für andere überlebenswichtig sein.

Was bedeutet all das konkret für politische und gesellschaftliche Verantwortungsträger?

Auf Gemeindeebene werden Initiativen zum Umbau und Ausbau von Nachbarschaften und ihre Verknüpfung mit Landwirtschaftsbetrieben gezielt unterstützt, finanziell, organisatorisch und mit Know- How. Vertragslandwirtschaftliche Organisationen brauchen zum Beispiel Nachbarschaftsdepots, die mit Kühlräumen ausgestattet werden müssen. Der Aufbau dieser nachhaltigen Logistik ist eine Gemeindeaufgabe. Die Gründung und Unterstützung eines öffentlichen Wohnungsbaus, der Nachbarschaften zu sozial funktionierenden Einheiten macht, erfordert finanzielle Zuschüsse von Gemeinden und Kantonen.

Der Zusammenschluss von Kleingemeinden zu funktionierenden Basisgemeinden darf nicht nur eine administrative Funktion haben, sondern muss zu lebenswerten Quartierzentren, Stadtzentren oder ländlichen Zentren führen. Vor allem Lernzentren für alle (Primarschule bis Erwachsenenbildung) werden solche Zentren kulturell beleben. Die öffentlichen Dienste dürfen auf keinen Fall abgebaut, sondern müssen so ausgebaut werden, dass der Existenzbedarf der Bevölkerung unabhängig von den Schwankungen des Marktes garantiert wird. Aus dem Service public wird ein Service général entwickelt, der die Grundbedürfnisse demokratisch bestimmt deckt.

Veränderungen an der Basis laufen immer wieder ins Leere, wenn nicht gleichzeitig auf nationaler Ebene ein Neustart, ein New Swiss Deal, stattfindet. Vertreter von Staat, Unternehmungen und Lohnabhängigen müssen sich zusammensetzen und einen neuen Grundvertrag abschliessen, der einen Neustart ermöglicht. Der Umbau der Nachbarschaften benötigt, verteilt auf mehrere Jahre, 70 Milliarden Franken, der Ausbau der Basisgemeinden nochmals 50 Milliarden Franken. Für die Entwicklungszusammenarbeit müssen mittelfristig zwischen 10 bis 20 Milliarden Franken pro Jahr eingesetzt werden. Neben den ordentlichen Staatsausgaben braucht es einen Neustart-Fonds, der aus Lohnabgaben, Beiträgen der Unternehmen und des Staats gespeist wird.

Neustart Schweiz setzt nicht auf einen imaginären Sprung in eine ferne Zukunft, sondern knüpft an bestehende Strukturen und Institutionen an. In einem gewissen Sinn hat der Neustart in der Schweiz schon längst begonnen. Kooperative Nachbarschaften existieren heute schon als Genossenschaftssiedlungen, als städtische Projekte, oder entstehen spontan aus Bürgerinitiativen. Sie müssen nur verallgemeinert werden. Vertragslandwirtschaftliche Projekte gibt es schon seit Jahren und sie verbreiten sich momentan. Genossenschaften zur nachhaltigen Nutzung oder Produktion von Gemeingütern haben in der Schweiz eine lange Tradition (siehe z.B. die Alp-Korporationen). Der Zusammenschluss von Kleingemeinden zu Basisgemeinden ist vielerorts im Gang, auch hier braucht es nur das Umschalten in einen höheren Gang. Die Wichtigkeit eines starken Service Public wird nach den katastrophalen Fehlleistungen der Privatisierungen wieder entdeckt. Die Krise des „dualen“ Bildungssystems wird immer offensichtlicher. Der Zugang aller zu einer umfassenden Allgemeinbildung (vor einer spezialisierten Berufsausbildung) ist eine Bedingung für lebenslanges Lernen und für die Beteiligung an demokratischen Verfahren. Eine Reihe von weiteren Themen, vom Gesundheitswesen über die Sozialversicherungen bis zur Armee, befindet sich in einem inneren Zusammenhang mit dem Projekt Neustart Schweiz. Das Verfahren eines New Deal schliesslich basiert auf der schweizerischen Tradition der staatlich moderierten sozialpartnerschaftlichen Verhandlungen, die zu Gesamtarbeitsverträgen, der AHV und anderen Institutionen geführt hat.

Neustart Schweiz liefert eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten für politische Initiativen auf allen Ebenen. Das Zusammenwirken solcher Initiativen macht den Neustart aus.

Die anstehenden Wahlen von 2011 bieten die nächste Chance, PolitikerInnen zu wählen, die in diesem Sinn aktiv werden wollen. Doch sind Vorstösse zu Neustart-Themen jederzeit möglich. Wir brauchen keine neue Partei um einen Neustart zu schaffen. Wir brauchen PolitikerInnen in allen Parteien, die überhaupt Schritt halten können mit den Neustartbewegungen, die überall entstehen. Die Krise ist nur vorübergehend gebannt, wir stehen an einem Wendepunkt. Wir sind bereit. Konstruktiv und vernünftig, aber radikal.

[Erste Erscheinung auf zeitpunkt.ch

Neustart Schweiz Treffen vom 28. März

Aus meinem Notizbuch

Etwa 30 TeilnehmerInnen (wirklich) aller Altersgruppen sind gestern nach Solothurn zu diesem Open Space Treffen gekommen. Besonders gefreut hat es mich, dass einige neue Freundinnen und Freunde sogar aus Deutschland kamen und leckere Quiches und Kuchen mitbrachten – vielleicht wissen sie, dass Reto und ich uns schon die Domain restartearth gesichert haben?

Zuerst setzen wir uns in einen Kreis und lernten alle 30 Vornamen mit den dazu passenden Gesichtern (Open Face) kennen.

Dann wurde in zuerst 5, dann 3, dann zwei Gruppen über Themen wie: Komplementärgeld, globale Familienplanung, Genossenschaften, Mobilität/Stadträume/Deutungshoheit, Bewusstsein, energieautarke Nachbarschaften, diskutiert.

Was genau an diesem verregneten Sonntag im Hotel Kreuz passiert ist, weiss ich allerdings nicht. Ich kann nur mein Notizbuch durchsehen und versuchen, persönliche Impressionen wiederzugeben. Jede/er, der dabei war, ist selbstverständlich eingeladen ihre/seine eigenen Eindrücke auch an dieser Stelle zu veröffentlichen.

Gesagt wurde unter anderem (ich lasse hier die Namen weg, die meisten von uns werden wissen, wer was gesagt hat):

  • 30 bis 35 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind Kultur-Kreative: sie sollten wir erreichen.
  • Brauchen wir so etwas wie eine „bolivianische“ Verfassung?
  • 200 Millionen Menschen auf diesem Planeten haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln – es gibt viele ungewollte Kinder und auch Ressourcenprobleme (kleiner, unverklemmbarer Kommentar von mir: ein Nordwestler wie ich verbraucht immer noch 100 Mal mehr Ressourcen als ein Mensch im Süden)
  • In Basel haben 75 Prozent der Bewohner kein Auto.
  • Eine Nachbarschaft muss ein Organismus werden.
  • An Rainbow-Gatherings treffen sich 150'000 Menschen.
  • Unser Lebensunterhalt sollte von einer Art „Totalgenossenschaft“ ohne Geld gesichert werden.
  • Time-Out statt Burn-Out.
  • Jurten sind mobile Immobilien. (in Trimmis zu finden.)
  • In der Genossenschaft Lorraine sollte jede/r zwei Stunden Arbeit pro Monat für die Gemeinschaft leisten.
  • Nichts machen liegt drin.
  • Wem gehört das Land? Dem Staat? Den BenutzerInnen?
  • Wenn eine Nachbarschaft (egal ob Verein, Genossenschaft, Stiftung, AG) qualitativ wachsen soll, dann gibt es zwei Bedingungen: 1. Landwirtschaft muss einbezogen werden; 2. Kultur (Bildung, Spiritualität, Kunst usw.) gehören dazu. Dazwischen entsteht jede soziale Form.
  • Es geht nicht um billiges Wohnen, sondern um einen Wachstumsprozess, der Land freikaufen und Menschen in andern Weltgegenden unterstützen kann.
  • Ceterum censimus: Unser Leben, sei es sozial und ökologisch oder nicht, ist eine Lebenslüge, so lange im Süden extreme Armut herrscht.
  • Grösse ist gut.
  • torindiegalaxien.de
  • Geld bringt Bewusstsein.
  • Durch das Projekt einer energieautarken Nachbarschaft wollen wir das Zuständigkeitsbewusstsein der BewohnerInnen verstärken.
  • Strom ist zu billig.
  • Was wir wollen, ist besser als das, was ist.
  • Nicht independence, interdependence.
  • Transitionsnachbarschaften?
  • Wer nicht wagt, hat schon verloren.
  • In Washington DC zeichnet jemand auf der Karte einfach eine Neighborhood ein, verteilt Flugblätter in alle Briefkästen und wartet. Nichts geschieht. Als er aber an den Türen läutet, entwickelt sich Aktivität und heute tauschen sie Wissen und Güter aus, haben Stadtgärten usw.
  • Der realexistierende Wahnsinn ist noch nicht ganz erreicht.
  • Wir können es uns nicht leisten so viel zu arbeiten, weil es so viel Sinnvolles zu tun gibt.
  • Kooperative Nachbarschaften könnten für „Reiche“ wie „Arme“ ein Ausweg aus der Arbeits/Geld-Falle sein.
  • Bewusstsein kommt zuerst.
  • Bewusstsein ist schon vorhanden (siehe 76 Prozent Zustimmung zur 2000-Watt-gesellschaft in Zürich). Mit der Umsetzung in Taten hapert’s allerdings.
  • In Deutschland wird durch das Geldsystem jeden Tag eine Milliarde von arm zu reich umverteilt (Quelle).
  • Komplementäre Verrechnungssysteme ohne Umverteilungseffekt (also: reine Tauschmittel) könnten in Nachbarschaften lokale Wirtschaften gegen den globalen Geldstrom schaffen.
  • Nur hochrentable Tätigkeiten werden heute entlohnt, sinnvolle Tätigkeiten bleiben unabgegolten.
  • Im Fabritze lebt es sich wie ein Bonz.
  • Wir dürfen die „Normalen“ nicht vergessen und nicht aus Hochnäsigkeit Nachbarschaftsentwicklungen torpedieren.
  • Es hat viele Menschen, die könnten und wollten.
  • Das Büchlein Neustart Schweiz ist keine Bibel, nur ein erster Anstoss. Neustart Schweiz ist ein Prozess, der eben erst begonnen hat.
  • Unsere Internetplattform soll Adressen, eine Agenda, Hintergrundwissen, enthalten und den Kontakt zwischen den Interessierten ermöglichen. (Reto macht, was er kann.)
  • Ökologie ist Opium für das Volk. 

Am Schluss des Plenums wird der Vorschlag gemacht, dass alle (die mit dem Newsletter erreicht werden können) bis zum 13. Mai Vorschläge, Diskussionspapiere usw. einreichen, die dann am Treffen des 13. Juni im Fondli bei Dietikon (Zürich) besprochen werden können.

Es wäre schön, dort auch zu erfahren, was aus den verschiedenen Ideen und Projekten geworden ist.

Die Spenden der TeilnehmerInnen deckten alle Kosten für Saal, Mineralwasser und Pizza. Es gibt sogar einen Überschuss von 103.60, über den wir im Juni beschliessen können.

Auf Wiedersehen!

[Nachtrag] Hier gibt es Bilder von der Veranstaltung.

Kritik auf Schattenblick

In der elektronischen Zeitschrift "Schattenblick" ist am 12. Januar eine Rezension zu "Neustart Schweiz" erschienen (hier im Volltext nachzulesen). Darin wird unter anderem kritisiert, dass der menschliche Fokus fehlt und dass das System an und für sich nicht angetastet werden soll.

Es freut mich sehr, dass meine Vorschläge in Neustart Schweiz eine gute Chance zur Realisierung haben - dann wäre nämlich der Kapitalismus sofort weg. Ein globaler Haushalt, wie ich ihn vorschlage, funktioniert zur Hauptsache nur jenseits des Wertgesetzes, wie ich es auch in meinem Artikel in Turbulence 5 nochmals betont habe. Allerdings habe ich in Neustart Schweiz versucht das übliche linke Insider-Vokabular zu vermeiden, um eben an Leute zu gelangen, die wir sonst nicht erreichen.

Zugegeben: das tönt alles sehr harmlos, ist es aber nicht. Wenn demokratisch bestimmte allgemeine Dienstleistungen (vielleicht würde man das in einem andern Jargon Commons oder Kommunismus nennen) zusammen mit Subsistenz (siehe Maria Mies, Vandana Shiva usw.) das Leben bestimmen, dann gibt es keinen Platz mehr für die Profitlogik. Meine Nachbarschaften sind keine blossen Verwaltungseinheiten, sondern lebendige Gemeinschaften, die durch direkte Beziehungen die Lebensmittelversorgung und noch einiges mehr organisieren - aber natürlich nicht alles.

Der Hinweis auf den "Menschen" ist verständlich, aber nicht sehr hilfreich. Das könnte ja auch bedeuten, dass man mit gesellschaftlichen Vorschlägen warten muss, bis es bessere Menschen gibt. Ich glaube (aus eigenen Erfahrungen), dass auch heutige Menschen sich in grösseren Wohnkomplexen ganz gut vertragen können, wenn man ihre Intimsphäre respektiert, klare Verträge schliesst, eine transparente Entscheidungsstruktur hat. Auch EgoistInnen haben schliesslich mittel- bis langfristige Interessen. Ich wohne seit zehn Jahren mit 250 Leuten in einem sehr dicht gebauten Gebäude, und wir vertragen uns immer noch gut. Es gibt immer wieder Konflikte, es ist nicht das Paradies, aber es ist möglich.

Im Unterschied zu meinen älteren Texten, denen es inhaltlich nicht widerspricht, ist der Zweck von Nestart Schweiz nicht eine innere Verständigung in der grün-linken Szene, sondern ein Versuch ein simples Reformprojekt zu formulieren, das ab jetzt, unter den jetzigen Umständen, angegangen werden kann. Das Büchlein richtet sich durchaus an PolitikerInnen, vor allem aus dem links-grünen Spektrum, aber auch an bürgerliche. In Einzelfällen konnte ich schon konstruktive Reaktionen feststellen.

Politik machen, heisst Kompromisse abschliessen, handeln, anbieten und verlangen - das geht nicht ohne ein paar unbefriedigende Zwischenschritte. (Dass es zum Beispiel militärischen Schutz für Hilfsprojekte im Süden braucht.)

Wir müssen dringend aus dem revolutionären Quietismus herauskommen, bei dem man nur perfekte Texte für eine perfekte, ferne Zukunft produziert und die Gegenwart jenen überlässt, die die Kleinarbeit machen.

Eine leicht aktualisierte Version der Büchleins wird demnächst erscheinen - aber man erwarte kein absolut wirkungsloses revolutionäres Manifest.

It’s all about potatoes and computers (part 1)

In the early eighties, Swiss author p.m. – the most common initials in the Zurich telephone directory – published Bolo’Bolo, ‘a field guide to organising utopias’, in the words of one reviewer. ‘Replete with maps, drawings, a new lexicon and universally recognised symbols, and “a planetary menu for subversion”, the text could be considered a political nerd’s version of one of Tolkien’s fantasies, but its references to real events and reflexive tone give the book a kind of crackpot sense of real possibility.’ A quarter-century later, p.m. is still planning.

ACCESS TO LAND AND KNOWLEDGE
The coming centrality of ‘the commons’ – based on the principle of the unconditional survival of all human beings on a decent basis – is obvious at this historical moment. At first they appear to be a ‘fallback-option’ for a system that is unable to allocate, use and distribute social assets in a rational way. But sustaining a social metabolism on the basis of obscure ‘laws’ of values, profits and interests was never a good idea and is now revealed as a catastrophic one. (It has never really been just an idea, but an instrument of oligarchic power. That’s the dirty family secret of it.)

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It’s all about potatoes and computers (part 2)

Second part. Read first part here.

These mostly individual activities cannot replace collective action, but they can become a nutritious side dish and keep the ‘movement of discouragement’ (of economic recovery) alive in periods of relative social tranquillity. Collective action is dependent on a logic of events: it is path-dependent, and not all events are possible at any given time, even if theoretically correct and necessary. (Maybe at this point Shakespeare could be more helpful than Marx.) But we can be confident that many opportunities soon will arise for effective collective action. All of this could lead the capitalist machine into such a quagmire that scenario A would look relatively appetising. The following proposals are all based on scenario A. Scenario B – a global showdown – could be forced upon us, though. The winning of which seems very improbable to me. The costs would be immense. It’s the old question: socialism or barbarism?

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Zweites Neustart Schweiz Treffen am 22. November in der Binz, Zürich

Etwa 30 - 40 TeilnehmerInnen haben sich in den besetzten Fabrikhallen in der Binz versammelt um sich über die Vernetzung von städtischen Nachbarschaften mit Bauernbetrieben zu informieren. Nach dem idyllischen Schmidrued bildeten diese Fabrikhallen einen drastisch-urbanen, aber durchaus kreativen Kontrast.

Les Jardins de CocagneRudi Berli berichtete über die Jardins de Cocagne in Genf, die 400 Haushalte mit Gemüsejahresabos beliefern. Markus Rüegg zeigte einen Ausschnitt aus dem Film Farmer John, der die explosionsartige Entwicklung der CSA Angelic Organics in der Nähe von Chicago illustrierte. Diese CSA begann mit 26 Familien und beliefert nun 1200. Dann stellte er die Food Coop Winterthur vor, die ab nächstem Frühling funktionieren soll. 3,5 ha sollen schlussendlich 500 Haushalte mit Gemüseabos beliefern. Man kann noch mitmachen. Eine andere Initiative startet in Bern (soliterre) mit 50 Haushalten und 10 Betrieben. Rudi Berli insistiert auf jährlichen Abos, weil nur diese eine Mitbeteiligung der Konsumenten am Risiko der Produzenten garantieren.

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Wir sind wirklich nicht blöd

MikroAgro
MikroAgro

Wohnung, Nahrung und Mobilität sind für drei Viertel unserer CO2-Emissionen verantwortlich. Aber sie machen nur 30 Prozent unserer Haushaltausgaben aus. Während Nahrung einen Drittel unserer CO2-Emissionen verursacht, geben wir dafür nur 7 Prozent unseres Haushaltgelds aus. Weil wir zwei Drittel unserer Emissionen mit importierten Gütern im Ausland erzeugen, haben wir es geschafft, unser Land relativ «sauber» zu halten. Global gesehen sind wir aber einer der schlimmsten Klima-Vampire. Dies ist nur möglich, weil wirtschaftliche und ökologische Logiken weit auseinanderklaffen.

Mehr in "Wir sind wirklich nicht blöd" (PDF).

Aktive Nachbarschaftsentwicklung in Zürich

Text vom 25.9.2009

Nachhaltige Lebensweisen brauchen multifunktionale Nachbarschaften

Mit grosser Mehrheit (76 %) haben die Zürcher Stimmberechtigten der 2000-Watt-Gesellschaft zugestimmt. Es gibt dazu schon eine ganze Palette von Vorschlägen und Projekten. Die meisten betreffen städtische Bauten und Betriebe, wobei technische Massnahmen vorherrschen. Was noch fehlt, ist eine klare Vorstellung der ganzen 2000-Watt-Lebensweise. Der Kerngedanke jeder nachhaltigen Lebensweise besteht ja darin, dass verstreute Funktionen, deren Kombination viel Energie verbraucht, wieder zu lebenswerten Einheiten gebündelt werden. Leben, Arbeiten, Einkaufen, Essen, Unterhaltung, müssen in einem grösseren Grad als heute (aber natürlich nicht vollständig) in sozial spannende Nachbarschaften re-integriert werden. [weiterlesen]

Une drôle de crise

Vision über das Leben in einer Nachbarschaft in der neugestarteten Schweiz. Erschienen im Newsletter 0902.

This is the way the world ends
This is the way the world ends
This is the way the world ends
Not with a bang but a whimper.

T.S. Eliot The Hollow Men, 1925

Wie wir mit Schrecken erfahren, begann die gegenwärtige Krise schon Mitte 2008. (Fast geht’s uns wie dem Reiter über den Bodensee und wir fallen erschrocken vom Ross.) Wir leben also schon fast in Jahr in Krise, aber es gibt immer noch Cervelats in der Migros und die Hörnli haben kaum aufgeschlagen, die Milch ist sogar billiger geworden. Wer weiss, vielleicht ist die Krise schon vorbei, und wir haben auch das wieder nicht gemerkt? Vielleicht ging eine Epoche zu Ende ohne dass Fahnen, -ismen und Hymnen gewechselt wurden. [weiterlesen]

Nachhausekommen in der Nachbarschaft Orlando

Vision über das Leben in einer Nachbarschaft in der neugestarteten Schweiz. Erschienen im Newsletter 0902.

Wie ich an diversen Veranstaltungen festgestellt habe, können sich viele Leute das Leben in Nachbarschaften nicht vorstellen oder haben sie allzu asketische Vorstellungen. Doch eine Nachbarschaft ist keine asketische Grosskommune, sondern gleicht eher einem 4-Stern-Hotel. Was individuell ein untragbarer Luxus wäre, ist gemeinsam sogar ökologisch sinnvoll.
Darum stelle ich hier einmal eine solche Nachbarschaft, wie sie schon heute möglich wäre, vor:

Nachhausekommen in der Nachbarschaft Orlando [weiterlesen]

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