Weblog von P.M.

Die Diskussion rund um «Proximity» ist lanciert!

Liebe Mitglieder, liebe Interessierte 

Wir haben anschliessend an die Mitgliederversammlung am Samstag den 12. Juli 2014 in Bern über den Vorschlag des Vorstands, Proximity, diskutiert.

Inzwischen geistert Proximity schon überall herum, sogar in Deutschland, wo es heisst, dass Neustart Schweiz eine Bundesagentur für Nachbarschaftsentwicklung und einen 500-Millionenfonds fordert. Aber so weit sind wir noch nicht.

Warum Proximity?

Proximity heisst Nähe, und ist ein Versuch, Nachbarschaften als Ansatzpunkt für eine gesamtgesellschaftliche Veränderung zu benutzen. Da wir mit rein technischen Mitteln eine nachhaltige Gesellschaft (Energiewende, 2000-Watt-Gesellschaft) nicht erreichen, schlagen wir vor, das Potential der Nachbarschaften, die nahe Dienstleistungen, Leben ohne Auto, Teilen statt Kaufen, geringeren Flächenverbrauch usw. bieten könnten, zu nutzen.

Diese neuen Nachbarschaften entstehen, mit oder ohne Neustart Schweiz, momentan an vielen Orten und in vielen Formen: Kalkbreite, Kraftwerk1-3, mehr-als-wohnen, Warmbächli (Bern), Industriestrasse (Luzern), Lena (Basel), nena1 (Zürich), codha (Genf). Die neue, partizipative Genossenschaftsbewegung ist real, und viele Neustart-Mitglieder sind in ihr aktiv. Aber im Vergleich zum kommerziellen Wohnungsbau ist sie klein. Sie berührt kaum das Nachbarschaftsleben in bestehenden Siedlungen, erreicht nur eine bestimmte Szene, kurz: sie ist zu beschränkt, zu langsam. Die Erfahrungen, die in diesen Genossenschaften gemacht werden, sind jedoch äusserst wertvoll und bilden sozusagen den Know-How-Pool von Neustart Schweiz. Sie inspirieren und mobilisieren. Aber es genügt bei weitem nicht.

Mehr Qualität

Daher braucht es zusätzlich eine Intervention des Gemeinwesens, also Politik. Auch hier gibt es verschiedene Initiativen zu günstigem Wohnungsbau oder regulatorische Vorschläge (mehr Dichte). Diese bewirken jedoch keine effektive nachhaltige Lebensweise. Wenn wir nur mehr billige Wohnungen bauen, dann entstehen oft leblose Schlafquartiere, und geben die Leute einfach mehr Geld für Autos, Reisen, Möbel aus. Es fehlt die soziale Essenz, das kooperative Element. Zudem gibt es in der Schweiz keine Wohnungsnot, sondern nur ein konsumistisches Bedürfnis nach mehr Wohnfläche: waren es 1980 noch 30m2/Person, so sind es heute 50m2. Wenn wir schweizweit nur schon den durchschnittlichen Flächenverbrauch der Zürcher Genossenschaften (35m2) einsetzen würden, hätten wir jetzt schon Wohnraum für 12 Millionen Menschen, ohne einen Quadratmeter (Kultur)-Land zu überbauen. Wenn wir nur mehr Dichte fordern, werden InvestorInnen einfach mehr Profite machen, weil sie eine bessere Ausnutzung erreichen. Es geht also nicht mehr um Quantität, sondern um Qualität, nicht mehr um blosse Unterbringung, sondern um eine, kooperative Lebensweise. Wir wollen mehr als nur wohnen.

Wie lancieren?

Über die Ziele von Proximity herrschte an der HV in Bern Einigkeit. In welcher Form jedoch eine politische Aktivität entfaltet werden kann, muss noch weiter diskutiert werden. Neustart Schweiz erreicht nach wie vor nur wenige InsiderInnen, das Thema Nachbarschaft ist noch zu wenig präsent. Sprache und Art des Auftritts müssen angepasst werden. Ideen wie Standaktionen mit Strassentheater, ein Nachbarschafts-Rap-Video, andere Flyers, Medienauftritte usw. wurden vorgeschlagen. Die Frage, wie man sicherstellen kann, dass der Nachbarschaftsansatz weitere Lebensbereiche, wie Arbeitsleben (20-Stundenwoche!), Landwirtschaft (Mikroagro), Pflegearbeit und weitere Kreise (Quartier, Städte, Land) verändert, wurde aufgeworfen. Neustart Schweiz hat nicht einfach nur ein Nachbarschaftskonzept, sondern ein gesamtes Raumkonzept und Vorschläge für eine nach-kapitalistische Lebensweise (Commons! Siehe unser neues Flugblatt in deutsch und französisch) überhaupt. Wir brauchen einen handlichen, für alle verständlichen, konkret formulierbaren und daher politisch umsetzbaren Ansatzpunkt – und dafür eignen sich Nachbarschaften. Ähnlich wie Gemeinden es jetzt schon mit wenig Wirkung tun, kann auch der Bund solche neuen Nachbarschaften mit Know-how («Starter-Kit») und Anschubfinanzierung als nationale Aufgabe entscheidend fördern. Auch der Vergleich zur Landwirtschaftspolitik – Direktzahlungen für sozial und ökologisch erwünschtes Wirtschaften - kann herbeigezogen werden. Eine andere Politik ist also möglich. Es braucht wirklich eine durchsetzungsfähige Bundesagentur (nicht nur ein paar Ämter), und es braucht viel Geld, Milliarden. Schliesslich geht es um unsere Zukunft.

Wie wir das politisch anpacken wollen, ist noch offen. Es muss vorerst auch darum offen bleiben, weil wir in Bern nur 25 Mitglieder waren, die Proximity andiskutiert haben. Vorschläge wie: mehr Öffentlichkeitsarbeit, Petition, politisches Lobbying, Volksinitiative (mit wem?), 10 Modellnachbarschaften in 10 grossen Städten, müssen wir in einem grösseren Kreis weiter verfolgen. Für eine Volksinitiative sind wir noch zu wenig gut aufgestellt, wir bräuchten also Partner (Grüne? SP? BäuerInnenverband? Wohngenossenschaftsverband? Energiestiftung? Pro Natura?) Immerhin: einen politischen Vorstoss muss es geben, möglichst schnell. Wir hoffen, ihr seid alle dabei.

Bitte mitdenken!

An euch, liebe Mitglieder und Interessierte, ergeht also der Aufruf, Proximity (kritisch) zu überdenken, darüber zu diskutieren (in Regionalgruppen oder in Ad-Hoc-Gruppen). Wir sind auf euer Mitdenken, auf eure Vorschläge und eure Kreativität angewiesen. Der Vorstand allein kann ein solches Projekt nicht auf den Weg bringen. Nehmt jetzt Kontakte mit euch bekannten PolitikerInnen auf, erklärt ihnen unseren Vorschlag und lasst euch beraten. Knüpft Netze! Vielleicht ist es auch nötig, dass Ihr die Proximity-Thematik angepasst an euer Umfeld eigenständig neu formuliert: für Junge, für Alte, für zugewanderte Menschen usw.

Also: wie können wir Proximity effektiv lancieren? Zu diesem Thema werden wir schon bald eine ausserordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Und dann geht’s wirklich los.

Nun erwarten wir euren Feed-Back via Web-Site oder Post.

Herzliche Grüsse,

Vorstand Neustart Schweiz

P.S. Für die übrigen Traktanden der HV verweisen wir auf das Protokoll

Der globale Aufstand der Städte – gegen die Städte, für andere Städte

Es ist inzwischen fast Konsens, dass der Ausgang der Masseneinwanderungsinitiative etwas mit den negativen Auswirkungen der wachstumsorientierten Wirtschaftsweise zu tun hat. Der Druck – global, national, lokal – der globalisierten Wirtschaft auf Natur, Menschen und Gesellschaft hat in den letzten Jahren, eigentlich seit den sechziger Jahren, immens zugenommen. Ressourcen werden strapaziert, Landschaften zugebaut, Kulturland geht verloren, es entstehen anonyme Schlafstädte ohne gesellschaftliche Essenz – und die Menschen selbst leiden unter Depressionen, Burnout, die sogar zu einigen Selbstmorden von prominenten CEOs geführt haben. Man könnte sagen, dass der ganze Kreislauf von Natur-Individuum-Gesellschaft dabei ist durchzubrennen. Der „Westen“ dreht durch (auch im Osten).

Dieses Durchbrennen entzündet sich weltweit an zufälligen Anlässen – ein Park in Istanbul, teure Busse in Rio, Korruption in Sarajewo oder Kiew, ein Polizeiübergriff in London oder Paris. Jedes Mal entsteht eine spontane Bewegung, die unterstützt von elektronischen Medien, schnell ein allgemeines Malaise „mit allem“ ausdrückt. Die Städter leiden unter den Auswirkungen der Globalisierung am meisten. Im Unterschied zu suburbanen oder ländlichen Situationen haben sie aber ihre Fähigkeit entdeckt kollektiv zu reagieren. Der Aufschrei gegen unsere Wirtschaftsordnung ist nicht nur Protest, er enthält auch eine Hoffnung.

Die Tatsache, dass in der jüngsten Abstimmung die meisten Städte eine manipulative Regulation, die keine Probleme löst, abgelehnt haben, aber zugleich grün-linke Regierungen gestärkt haben – wie in Zürich - zeigt diesen Aspekt der Hoffnung. Die StädterInnen können sich inzwischen Städte vorstellen, die nicht mehr blosse Wachstumsmotoren sind. Die Initiative hat die offizielle Linke mit den Wirtschaftsinteressen in eine unbequeme Allianz getrieben. Klar musste man gegen die Initiative sein, aber die von Economiesuisse vorgegeben Gründe hätte man nicht auch noch schlucken müssen. Solange die Linke dem Wachstumsfetisch anhängt, wird die Rechte die entstehende Konfusion ausnützen und ihre spalterischen Spiele spielen können. Letztlich führt dies zu einer politischen Lähmung, die den Profiteuren des Status Quo, den globalen Multis, eben gerade der Globalisierung, gegen die man vorgibt zu agieren, nützt. Leute wie Blocher sind nur die nationalen Filialleiter der globalen Kapitalinteressen. Ihr Job besteht darin jene Konfusion zu schaffen, in deren Windschatten man ungestört weltweite Geschäfte machen kann.

Wenn man die jüngsten Wahlresultate in der Schweiz oder auch in Deutschland interpretieren will, dann stellt man auch fest, dass die Grünen stagnieren, obwohl sie ja ökologische Fragen als Kernkompetenz haben. In Zürich haben die Grünen Stimmen verloren, die Grünliberalen stagnieren schon wieder. Die Sozialdemokraten kommen nicht vom Fleck, die alternativen Linken halten sich (Deutschland) oder legen zu (Zürich). Die Grünen haben keine echten Antworten mehr in der heutigen Situation, weil sie zum Beispiel eine Kreislaufwirtschaft wollen, aber nicht sagen, wem denn diese Kreisläufe nützen. Auch wenn alles rund läuft, gibt es immer noch Profiteure und Verlierer. Die Grünliberalen möchten uns glauben machen, dass man den Raubtierkapitalismus mit etwas grünem Zureden in einen Streichelzoo verwandeln kann. Parteien wie die AL passen besser in den globalen Aufstand der Städte, weil sie in ihrem politischen Erbgut immerhin noch ein paar Vorstellungen über Machtverhältnisse, die Mechanismen der Profitwirtschaft, reale Souveränität und Solidarität (z.B. durch öffentliche Dienste), Dichte als Organisationsmacht usw. haben. Zudem sind ihre Exponenten Veteranen urbaner Kämpfe seit den sechziger Jahren. Bei den Grünen spürt man kein echtes urbanes Engagement. (Diese Einschätzung trifft auf viele Parteimitglieder nicht zu, ist aber der Eindruck, den die Gesamtpartei erweckt.) Es ist zwar gut und recht, Grünräume, Parks und Velowege zu fordern, aber noch dringender brauchen wir Kommunikationszentren, intensiven Austausch und Herstellung von Gemeinschaftlichkeit. Daher fühlen sich mehr und mehr Städter bei einer alternativen Linken besser aufgehoben als bei den Grünen, deren vage politische Analyse sie immer wieder braun abrutschen lässt (wie zum Beispiel die Tessiner Sektion). So viel Naivität überlebt den urbanen Test nicht. Kann man ihnen trauen? Werden sie Ecopop energisch ablehnen?

Eine „alte“ Linke, die noch am Wachstum hängt, und einfach Arbeitsplätze, höhere Löhne und billigere Wohnungen fordert, setzt der Verwirrungs-Strategie der Rechten nichts entgegen. Sie verteidigt ebenfalls den Status Quo, nur etwas besser verteilt („die Früchte des Wachstums teilen“). Was da wächst, und wie es wächst, das rückt in den Hintergrund. Die Menschen, vor allem die Städter, wo die Kommunikation noch besser funktioniert, haben das längst durchschaut. In Zürich hat die Hälfte der BewohnerInnen schon kein Auto mehr, werden kleinere Wohnungen bevorzugt, nimmt die Teilzeitarbeit zu, entstehen Initiativen für die direkte Lebensmittelversorgung, Gütertausch und gemeinsame Nutzungen. Eine andere Stadt ist möglich – eine Postwachstumsstadt.

In den Agglomerationen werden die Zwänge der Globalisierung eher passiv erlebt, weil die alten sozialen Netze (Dörfer) zerstört oder ausgehöhlt worden sind, und neue urbane Kerne noch nicht geschaffen worden sind. Wie soll man effektiv gemeinsam handeln, wenn keine Gemeinsamkeit mehr besteht? In diesen Wohnzonen erlebt man eine schizophrene Welt: man ist aus der Stadt geflohen (oder verdrängt worden) und muss jeden Tag dorthin pendeln. Man suchte sich einen ruhigen Platz im Grünen und „braucht“ nun ein lautes Auto. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Pendeln in westlichen Gesellschaften der grösste Unglücksfaktor überhaupt ist (noch vor Arbeit, Krankheit oder gar dem Tod), wenn man Zeit mal Leiden rechnet (siehe Kahneman, 2011; S. 194). Und weil alle andern auch ins Grüne wollten, ist dieses nun überbaut und verschwunden. Sogar unsere heutigen Städte sind noch ökologischer als das Landleben. Zudem machen sie glücklicher als das Aggloleben. Die soziale Dichte ist ein Glücksfaktor, wenn sie eben selbst gestaltet werden kann und nicht nur erduldet werden muss. Wenn man zwischen falscher Stadt und falschem Land zerrieben wird, reagiert man gereizt. In dieser Notlage bietet sich dann eine Menschenregulations-Initiative als die nächstbeste Notbremse an. Das ist nicht nur fremdenfeindlich, sondern noch schlimmer: es ist unhöflich. So etwas macht man einfach nicht. Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass man vor lauter „gefühltem“ Agglo- und Dichtestress die elementaren urbanen und menschlichen Umgangsformen vergisst

Die Züge sind nicht überfüllt wegen den Ausländern, sondern weil zum Beispiel jeden Tag 8000 Buchhalter von Zug nach Zürich und 8000 Buchhalter von Zürich nach Zug pendeln. Es sind die Querpendler (darunter auch Lehrlinge, Schüler und Studenten), die die Züge füllen. Wenn sich diese Pendler entscheiden könnten am Arbeitsort auch zu wohnen, dann wären es schon einmal 16'000 Passagiere weniger. Aber das ist natürlich nicht so einfach. Und würde dem Wachstum schaden, die heilige, dreifaltige Mobilität antasten und schliesslich jene Arbeitsplätze kosten, wo all die tollen Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen, hergestellt werden.

Wirkliche Lösungen für die heutigen Probleme sind leider komplex, sie sind zudem global. Zum Glück gibt es einen globalen urbanen Aufstand gegen all die Blochers, Janukowitschs, Mursis, Erdogans, Le Pens, die versuchen eine imaginäre gesunde, nationale „Landbevölkerung“ gegen die eingebildeten, welschen, amoralischen Städter auszuspielen. Unsere Allianzen bestehen nicht mit den netten liberalen Kapitalisten, der EU oder gar den andern bösen Clowns in andern Nationen, sondern mit den Aufständischen in den Städten, in der Schweiz und weltweit. Zugegeben, in diesen Bewegungen gibt es auch innere Widersprüche und unappetitliche Zutaten, aber ein globaler Konsens über Commons, Demokratie, Ökologie und soziale Gleichheit ist am Entstehen. Ob diese Verbündeten nun Inländer, Ausländer, Gläubige oder Ungläubige, Blaue, Gelbe oder Violette, sind, spielt schon lange keine Rolle mehr, sondern ist unsere eigentliche Stärke. Spass kommt von Vielfalt. Neue Gemeinschaftlichkeit kommt aus gemeinsamem, realem Handeln (nicht nur delegiertem Regulieren). Direkte Demokratie hiesse auch Demokratie im Alltag, am Arbeitsplatz, in den Quartieren. Zusammen mit allen, die nun einmal da sind.

Gibt es in der Schweiz eine Bewegung, die für komplexe Probleme komplexe Lösungen vorschlägt? Die versucht einen gangbaren Weg in eine Postwachstumsgesellschaft aufzuzeigen? Die aus öden Agglosiedlungen lebendige Stadtquartiere mit Zentren in Fussdistanz macht? Die Strukturen ändert, statt Menschen herumzuschieben oder zu vertreiben? Die eine Lebensweise aufzeigt (1000 Watt), bei der es kaum noch eine Rolle spielt, ob nun 7 oder 10 Millionen Menschen ausgerechnet in der Schweiz wohnen? Die sich dafür einsetzt durch direkte Allianzen zwischen Bauern und Stadtbewohnern eine wirkliche Ernährungssouveränität herzustellen? Die die verlorene Nahversorgung in den Nachbarschaften wieder herstellt? Wo ist die Bewegung, die nicht nur Werte verkündet, sondern deren materielle Umsetzung auf dem Territorium, samt Bauplänen, Betriebskonzepten und Verwaltungsregeln, an die Hand nimmt?

P.M. 18.2.2014

Die Schweiz braucht einen Neustart

Die Schweiz braucht einen Neustart
Artikel als PDF

Unsere Art des Zusammenlebens und Wirtschaftens ist weltweit und auch in unserem Land in eine Sackgasse geraten. Unsere so genannte Wirtschaft enthüllt sich immer mehr als ein blosses Instrument einer verschwindend kleinen globalen Oligarchie, die ihre Profite um jeden Preis aufrechterhalten will (15 Prozent der Weltbevölkerung besitzen 85 Prozent des Weltvermögens). Zu diesem Zweck werden wir mit gegenseitiger Konkurrenzierung, Arbeitsstress, Anonymisierung und Isolation daran gehindert, einen globalen Haushalt aufzubauen, der allen ein gerechtes und gutes Leben ermöglicht. Nicht nur funktioniert diese oligarchische Wirtschaftsweise nicht, sie zerstört auch die sozialen und ökologischen Grundlagen unseres Planeten.

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Neustart Schweiz Treffen vom 28. März

Aus meinem Notizbuch

Etwa 30 TeilnehmerInnen (wirklich) aller Altersgruppen sind gestern nach Solothurn zu diesem Open Space Treffen gekommen. Besonders gefreut hat es mich, dass einige neue Freundinnen und Freunde sogar aus Deutschland kamen und leckere Quiches und Kuchen mitbrachten – vielleicht wissen sie, dass Reto und ich uns schon die Domain restartearth gesichert haben?

Zuerst setzen wir uns in einen Kreis und lernten alle 30 Vornamen mit den dazu passenden Gesichtern (Open Face) kennen.

Dann wurde in zuerst 5, dann 3, dann zwei Gruppen über Themen wie: Komplementärgeld, globale Familienplanung, Genossenschaften, Mobilität/Stadträume/Deutungshoheit, Bewusstsein, energieautarke Nachbarschaften, diskutiert.

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Kritik auf Schattenblick

In der elektronischen Zeitschrift "Schattenblick" ist am 12. Januar eine Rezension zu "Neustart Schweiz" erschienen (hier im Volltext nachzulesen). Darin wird unter anderem kritisiert, dass der menschliche Fokus fehlt und dass das System an und für sich nicht angetastet werden soll.

Es freut mich sehr, dass meine Vorschläge in Neustart Schweiz eine gute Chance zur Realisierung haben - dann wäre nämlich der Kapitalismus sofort weg. Ein globaler Haushalt, wie ich ihn vorschlage, funktioniert zur Hauptsache nur jenseits des Wertgesetzes, wie ich es auch in meinem Artikel in Turbulence 5 nochmals betont habe. Allerdings habe ich in Neustart Schweiz versucht das übliche linke Insider-Vokabular zu vermeiden, um eben an Leute zu gelangen, die wir sonst nicht erreichen.

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It’s all about potatoes and computers (part 1)

In the early eighties, Swiss author p.m. – the most common initials in the Zurich telephone directory – published Bolo’Bolo, ‘a field guide to organising utopias’, in the words of one reviewer. ‘Replete with maps, drawings, a new lexicon and universally recognised symbols, and “a planetary menu for subversion”, the text could be considered a political nerd’s version of one of Tolkien’s fantasies, but its references to real events and reflexive tone give the book a kind of crackpot sense of real possibility.’ A quarter-century later, p.m. is still planning.

ACCESS TO LAND AND KNOWLEDGE
The coming centrality of ‘the commons’ – based on the principle of the unconditional survival of all human beings on a decent basis – is obvious at this historical moment. At first they appear to be a ‘fallback-option’ for a system that is unable to allocate, use and distribute social assets in a rational way. But sustaining a social metabolism on the basis of obscure ‘laws’ of values, profits and interests was never a good idea and is now revealed as a catastrophic one. (It has never really been just an idea, but an instrument of oligarchic power. That’s the dirty family secret of it.)

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It’s all about potatoes and computers (part 2)

Second part. Read first part here.

These mostly individual activities cannot replace collective action, but they can become a nutritious side dish and keep the ‘movement of discouragement’ (of economic recovery) alive in periods of relative social tranquillity. Collective action is dependent on a logic of events: it is path-dependent, and not all events are possible at any given time, even if theoretically correct and necessary. (Maybe at this point Shakespeare could be more helpful than Marx.) But we can be confident that many opportunities soon will arise for effective collective action. All of this could lead the capitalist machine into such a quagmire that scenario A would look relatively appetising.

The following proposals are all based on scenario A. Scenario B – a global showdown – could be forced upon us, though. The winning of which seems very improbable to me. The costs would be immense. It’s the old question: socialism or barbarism?

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Zweites Neustart Schweiz Treffen am 22. November in der Binz, Zürich

Etwa 30 - 40 TeilnehmerInnen haben sich in den besetzten Fabrikhallen in der Binz versammelt um sich über die Vernetzung von städtischen Nachbarschaften mit Bauernbetrieben zu informieren. Nach dem idyllischen Schmidrued bildeten diese Fabrikhallen einen drastisch-urbanen, aber durchaus kreativen Kontrast.

Les Jardins de CocagneRudi Berli berichtete über die Jardins de Cocagne in Genf, die 400 Haushalte mit Gemüsejahresabos beliefern. Markus Rüegg zeigte einen Ausschnitt aus dem Film Farmer John, der die explosionsartige Entwicklung der CSA Angelic Organics in der Nähe von Chicago illustrierte. Diese CSA begann mit 26 Familien und beliefert nun 1200. Dann stellte er die Food Coop Winterthur vor, die ab nächstem Frühling funktionieren soll. 3,5 ha sollen schlussendlich 500 Haushalte mit Gemüseabos beliefern. Man kann noch mitmachen. Eine andere Initiative startet in Bern (soliterre) mit 50 Haushalten und 10 Betrieben. Rudi Berli insistiert auf jährlichen Abos, weil nur diese eine Mitbeteiligung der Konsumenten am Risiko der Produzenten garantieren.

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Wir sind wirklich nicht blöd

MikroAgro
MikroAgro

Wohnung, Nahrung und Mobilität sind für drei Viertel unserer CO2-Emissionen verantwortlich. Aber sie machen nur 30 Prozent unserer Haushaltausgaben aus. Während Nahrung einen Drittel unserer CO2-Emissionen verursacht, geben wir dafür nur 7 Prozent unseres Haushaltgelds aus. Weil wir zwei Drittel unserer Emissionen mit importierten Gütern im Ausland erzeugen, haben wir es geschafft, unser Land relativ «sauber» zu halten. Global gesehen sind wir aber einer der schlimmsten Klima-Vampire. Dies ist nur möglich, weil wirtschaftliche und ökologische Logiken weit auseinanderklaffen.

Mehr in "Wir sind wirklich nicht blöd" (PDF).

Aktive Nachbarschaftsentwicklung in Zürich

Nachhaltige Lebensweisen brauchen multifunktionale Nachbarschaften

Mit grosser Mehrheit (76 %) haben die Zürcher Stimmberechtigten der 2000-Watt-Gesellschaft zugestimmt. Es gibt dazu schon eine ganze Palette von Vorschlägen und Projekten. Die meisten betreffen städtische Bauten und Betriebe, wobei technische Massnahmen vorherrschen. Was noch fehlt, ist eine klare Vorstellung der ganzen 2000-Watt-Lebensweise. Der Kerngedanke jeder nachhaltigen Lebensweise besteht ja darin, dass verstreute Funktionen, deren Kombination viel Energie verbraucht, wieder zu lebenswerten Einheiten gebündelt werden. Leben, Arbeiten, Einkaufen, Essen, Unterhaltung, müssen in einem grösseren Grad als heute (aber natürlich nicht vollständig) in sozial spannende Nachbarschaften re-integriert werden.

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