Zweites Neustart Schweiz Treffen am 22. November in der Binz, Zürich

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Etwa 30 - 40 TeilnehmerInnen haben sich in den besetzten Fabrikhallen in der Binz versammelt um sich über die Vernetzung von städtischen Nachbarschaften mit Bauernbetrieben zu informieren. Nach dem idyllischen Schmidrued bildeten diese Fabrikhallen einen drastisch-urbanen, aber durchaus kreativen Kontrast.

Les Jardins de CocagneRudi Berli berichtete über die Jardins de Cocagne in Genf, die 400 Haushalte mit Gemüsejahresabos beliefern. Markus Rüegg zeigte einen Ausschnitt aus dem Film Farmer John, der die explosionsartige Entwicklung der CSA Angelic Organics in der Nähe von Chicago illustrierte. Diese CSA begann mit 26 Familien und beliefert nun 1200. Dann stellte er die Food Coop Winterthur vor, die ab nächstem Frühling funktionieren soll. 3,5 ha sollen schlussendlich 500 Haushalte mit Gemüseabos beliefern. Man kann noch mitmachen. Eine andere Initiative startet in Bern (soliterre) mit 50 Haushalten und 10 Betrieben. Rudi Berli insistiert auf jährlichen Abos, weil nur diese eine Mitbeteiligung der Konsumenten am Risiko der Produzenten garantieren.

Die Diskussion kreiste um Fragen der Mitarbeit der Konsumenten (durchaus sinnvoll), der Sortimentserweiterung (Fleisch, Milch, Honig), der Minimalgrösse von Belieferungsknoten (10 Haushalte), der Schwierigkeit Landwirtschaftsland kaufen zu können. Rudi Berli berichtete, dass ihr Projekt versucht auch von der Gemeinde Unterstützung zu bekommen, etwa indem diese gratis Kühlschränke für die Depots zur Verfügung stellt. Die Nahrungsmittelversorgung kann auch als öffentliche Aufgabe wie Stromversorgung, Schule usw. angesehen werden. Das heisst natürlich nicht, dass der Staat die Verteilung übernimmt, sondern dass er die Produzenten/Konsumentengenossenschaften unterstützt, indem ein Teil der dazu notwendigen Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Die AlltaXgnossi (heisst jetzt ortoloco) ging aus den Montagswerkstätten hervor und möchte mit Bauernbetrieben aus der Region eine Lebensmittelversorgung aufbauen. Daraus soll aber mehr entstehen, eine erweiterte Zusammenarbeit, eine Alternative zur kapitalistischen Ökonomie und Spass an der Landarbeit. Sie möchten schon nächsten Frühling im kleinen Rahmen beginnen, Sie haben schon ca. 25 Personen als Abnehmer in bekannten WGs. Wo ist die reiche Tante mit dem Land?

Sämi vom Fondli regt an, dass es ein ausgearbeitetes Modell für Bauern mit ca. 15 ha Land geben sollte, das konkret aufzeigt, wie sie von Milchwirtschaft auf Gemüse und Vertragswirtschaft umstellen könnten. So würden mehr Bauern mitmachen. Er beschreibt auch die kulturelle Differenz zwischen Bauern und Städtern, die Vertragswirtschaftsmodelle immer noch behindern. Die bevorstehende Gründung einer deutschschweizerischen Sektion von uniterre könnte hier hilfreich sein. Verschiedene Teilnehmer aus Esslingen, Pfäffikon, Luzern, Glarus, Langenthal berichten von Initiativen und Projekten, die ähnliche Ziele verfolgen. Es wird klar, dass eine direkte Lebensmittelversorgung ein zentrales Element für grundlegende Veränderungen unser Gesellschaft ist.In der Binz


Während und nach dem Mittagessen ergeben sich Gespräche und Kontakte zwischen KonsumentInnen, Projektideen, Bauern und Landeigentümern. Die GastgeberInnen zeigen uns die Räume und Aktivitäten in den Fabrikhallen: atemberaubend! Vor allem die vielen schönen Traktoren werden bestaunt.

In der Diskussion wird die Rolle der Vertragslandwirtschaft als Ausgangspunkt für eine erweiterte gesellschaftliche Kooperation auch im Falle einer verschärften Krise unterstrichen.

Weitere Informationen und Links werden auf der Website zu finden sein.

Alle erhalten die E-mail-Adressen aller TeilnehmerInnen und können sich so unabhängig gemäss ihren Interessen und ihrem Thema vernetzen.

Die Neustartpunkte sollen als Organisationsmodell nicht aufgegeben, sondern belebt werden. Wie man einen Neustartpunkt einrichtet, ist hier beschrieben: also nichts wie los!

 

Das Bedürfnis nach weiteren Treffen ist offensichtlich
Vorschläge für nächstes TreffenDie Stadt/Landvernetzung, der Gang der Projekte und weitere verwandte Themen werden eingehender im nächsten Juni im Fondli, Dietikon ZH, (danke, Sämi!) weiter verfolgt (Datum folgt). Andere Themen wie gewaltlose Konfliktlösung, politische Lobby-Arbeit, Genossenschaftsbewegung, alternative Wirtschaftsformen usw. werden an einem Treffen im März 2010 (Ort und Datum noch offen) angegangen werden. Es sollen Mittel und Wege gefunden werden, wie konkrete Projekte auch institutionell unterstützt und gefördert werden können.

Das zweite Neustart Schweiz Treffen diente vor allem den Austausch von Know How, dem Anknüpfen von Kontakten, dem Bekanntmachen von Projekten. Es war ein Meinungsaustausch von interessierten ZeitgenossInnen aus verschiedensten Zusammenhängen.

Was genau aus der Idee Neustart Schweiz werden soll, bleibt weiterhin offen. Es zeigt sich jedoch, dass sich an diesen Treffen und auch mittels der Website auf eine ungezwungene Art viel Wissen austauschen und Kontakte herstellen lassen. Automatisch entsteht daraus ein Einfluss auf die „Wirklichkeit dort draussen“, der aber durch verschiedene Mittel noch multipliziert werden muss, wenn der Neustart gelingen soll. Es wird nach Modellen gesucht, wie ohne direkt politische Parteien zu gründen eine Einflusssphäre geschaffen werden kann. Das Prinzip heisst: wir überraschen uns selbst und alle andern!

Wir danken den Besetzern der Binz-Fabriken für ihre Gastfreundschaft und für einen unvergesslichen Sonntag. Auf Wiedersehen im März (oder vorher an einem Neustartpunkt)! 

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